Wir sind hier eine Männergesellschaft. Erstaunlicherweise gibt es nur wenige Zoten. Die christliche Erziehung schlägt durch. Die älteren Brüder in meinem Zimmer behaupten wenigstens einmal am Tag, dass in den Tee ein Mittel gemischt würde, dass die sexuelle Lust dämpft. Brom soll es sein. Ich glaube ja eher an Brombeeren. Die verheirateten Männer sagen, dass sie so etwas sagen dürfen, denn sie sind verheiratet.
Ich denke über Masturbation nach. Wie macht man das hier, wenn man nie allein ist? Ich traue mich nicht, zu fragen, denn die Frommen würden mir sicher erklären, dass es Sünde ist. Und ich traue mich schon gar nicht, es zu tun. Nachher wacht noch jemand auf und erklärt morgen vor allen, dass er gehört hat, wie ich eine Todsünde begangen habe und dass er es nur gut mit mir meint und mit mir beten will, dass ich nicht mehr sündigen muss. Die sind so.
Vom Masturbieren ganz abgesehen: Ich bin ein geselliger Mensch. Aber dauernd ein paar fremde Männer auf dem Hals zu haben, auch wenn sie noch so nett sind, geht mir ganz schön auf den Nerv. Und auch die dauernde Nettigkeit geht mir manchmal auf den Sack.
Und überhaupt habe ich die Schnauze richtig voll. Und nicht mal in Ruhe heulen kann man hier, da gucken auch gleich drei Leute zu.
Ich will nach Hause.