1. Dezember 1984. Advent.

Heute ist Sonnabend, der Dienst ist um 13 Uhr vorbei. Morgen ist der 1. Advent. Die Frauen und Mütter der Bausoldaten haben reichlich gebacken und Pakete geschickt. Im Dienstzimmer war eine Schlange und es roch durchgehend großartig, als einer nach dem anderen sein Paket auspackte. Kerzen wurden konfisziert, wegen Brandschutz. Auch meine Freundin hat gebacken, zum ersten Mal, wie sie schreibt, Plätzchen.

Advent ohne Kerzen? Wir haben so viel Kuchen, dass wir gleich anfangen müssen, zu essen. Danach werden Lobe an die Frauen und Freundinnen verteilt und in Briefen nach Hause weitergeleitet.

Es ist eine gute Stimmung. Wir unterhalten uns über die Entrückung und malen uns die überraschten Gesichter der Unteroffiziere und Offiziere aus, wenn plötzlich kein Bausoldat mehr da ist.

Ich möchte vor der Entrückung noch einmal nach Hause und tröste mich mit einem meiner Lieblingswitze aus dem jüdischen Witzbuch „Von armen Schnorrern und weisen Rabbis“, das ich eigentlich auswendig kenne:

Ein junger Jude fragt einen alten Juden: Was ist, wenn der Messias kommt und wir sind, Gott behüte, gar nicht vorbereitet? Der alte Jude tröstet ihn: Gott, heilig sei sein Name, hat sein Volk durch so viele Plagen gerettet. Da werden wir auch den Messias überstehen.

Ich bin mir übrigens auch nicht so sicher, ob ich bei der Entrückung, wenn sie denn so bald kommt, nicht doch hier in der Kaserne bleibe.