Der Kompaniechef war nicht da. Der Termin fand mit seinem Stellvertreter Hauptmann V. statt. Er erklärte mir, dass Urlaub entsprechend den militärischen Notwendigkeiten genehmigt wird. Ich sagte: „Meine Schwester wird konfirmiert.“ Er: „Ja, und?“ Ich glaube nicht, dass er nicht wusste, was eine Konfirmation ist, erklärte aber trotzdem: „Das ist für unsere Familie so wichtig wie eine Jugendweihe.“ „Aber sie hat doch nicht Jugendweihe.“ „Ja, es ist die kirchliche Feier.“ Und da kam er, der Satz: „Bei uns in der DDR sind Staat und Kirche getrennt.“
Ich fragte, ob es eine Beschwerdemöglichkeit gäbe. Hauptmann V.: „Natürlich können Sie sich beschweren.“
Am Abend schreibe ich dann eine Eingabe. Meine Zimmergenossen raten mir, nicht den normalen Weg, also an den Bataillonskommandeur, zu wählen, sondern gleich an den Verteidigungsminister und den Staatssekretär für Kirchenfragen zu schreiben. Genauso mache ich es. Und hoffe. Und bete.