Die Tage vergehen. Manchmal müssen wir nach der Arbeit noch eine halbe Stunde exerzieren, weil es am Morgen nicht gut genug geklappt hat. Ausgang bekomme ich nicht, aber wenigstens hat Mama schnell reagiert und ich kann mir ein Paket mit Kuchen, Büchern und einem Schlafanzug holen.
Kuchen wird prinzipiell geteilt, und die Zimmerkameraden erwarten mich schon gespannt. Sie loben meine Mutter, was ich ihr sofort schreibe. Und der Freundin schreibe ich auch, dass man hier Kuchen teilt und die Leute dafür Lobe verteilen. Ganz selbstlos ist das nicht.
Pakete holt man sich nach dem Nachmittagsappell im Dienstzimmer ab. Dort muss man das Paket öffnen und den Inhalt auf dem Tisch ausbreiten. Bloß gut, dass ich nicht gebeten habe, dass meine Mutter mir einen Tauchsieder schickt. Der wäre sofort weggewesen. Die Bücher werden vom Hauptfeldwebel durchgeblättert, wahrscheinlich um zu sehen, dass keine Briefe darin sind. Auch den von Mama sorgfältig eingepackten Kuchen muss ich auswickeln.
Abends beim Zähneputzen stelle ich fest, dass wir in unseren nur verschieden gestreiften Herrenschlafanzügen eigentlich genauso uniform aussehen wie am Rest des Tages. Trotzdem: Es ist mein Schlafanzug, derselbe, den ich auch zu Hause trage, und er gibt ein kleines Gefühl von Geborgenheit.