Immer zum Nachmittagsappell bekommt man seine Post ausgehändigt. Auffällig ist, dass fast alle Briefe an den Ecken aufgerissen sind. Die älteren Bausoldaten klären uns auf, dass das die Postzensur im Baubataillon macht. Sie würden mit Zahnarztspiegeln in die Briefe schauen. Der Chef von denen sei der fiese Oberstleutnant von der Sicherheit.
Man muss also vorsichtig sein, was man schreibt und seinen Leuten zu Hause sagen, dass sie nicht auf die Idee kommen sollten, Briefe von Westverwandten mit in den Umschlag legen sollen. Und auf gar keinen Fall Geld mit der Post schicken – das wäre schon ein paar Mal weg gewesen.
Ich entdecke eine kleine Fluchtmöglichkeit: In der Nacht ist es erlaubt, Schlafanzug zu tragen. Die Armee stellt keine Schlafanzüge, also kann man Zivil tragen. Ich schreibe meiner Mutter, dass sie mir einen Schlafanzug schicken soll und freue mich schon auf das Paket.
In den letzten Tagen habe ich einen Zigarettenkonsum, dass ich manchmal erschrecke. Ich steige um von 3,20er Sorten, die es übrigens im Kasernenladen immer gibt, ganz im Gegensatz zu Leipzig, wo es meist nur entweder „F6“ oder „Semper“ und nur manchmal „Cabinet“ zu kaufen gab, auf „Karo“. 1,60 die Schachtel.