8. November 1984: Ein Militärstaatsanwalt kommt zu den Bausoldaten

Für heute war etwas Besonderes angekündigt: Wir würden heute eine Schulung im Militärstrafrecht bekommen. Angesagt war ein Militätstaatsanwalt aus Potsdam. Der kam dann auch, wurde sofort als Oberstleutnant erkannt (zwei Sterne auf geflochtenem Grund), da stand sogar der Major stramm, und der Hauptmann sowieso, und die Unteroffiziere stellten das Atmen ein.

Ich selbst war wahnsinnig enttäuscht. Ich hatte etwas erwartet. Militärstaatsanwalt, das klingt doch. Das klingt nach Recht, fast schon nach Gerechtigkeit. Nach fünf Minuten Vortrags entpuppte sich der Redner als dumm. Schlicht und einfach dumm. Und dazu noch rhetorisch unbegabt. Der Vortrag war eine Qual, Fragen wurden gestellt, aber entweder nicht beantwortet oder nicht verstanden.

Dummheit ist nichts, was einen Menschen gut oder schlecht macht. Aber dass dieser Mensch es in diesem System so weit gebracht hat, immerhin muss er ja studiert und absolviert haben, das hat mein bisschen Vertrauen in die DDR und die NVA stark erschüttert. Niemals wollte ich in die Fänge dieses Mannes geraten. Lieber einmal mehr die Klappe halten, auch wenn das nie meine Stärke war.