5. Februar 1985. Ausgang zum Optiker.

Am Sonnabend kam das Päckchen. Gestern war ich beim Arzt und habe gesagt, dass ich Probleme beim Erkennen von weiter wegliegenden Dingen habe und schon früher eine Brille hatte. Am liebsten hätte ich ja ein Attest bekommen, das mir bescheinigt, keine Schulterstücken erkennen zu können. Das traute ich mich den Arzt nicht zu fragen, er war ja auch Unterleutnant.

Beim Sehtest fiel ich durch, ohne zu schummeln und bekam ohne Probleme die Überweisung zum Optiker.

Und heute morgen habe ich mich ins Krankenbuch eingetragen: Ausgang zum Optiker. Ich komme tatsächlich raus, von 9-13 Uhr darf ich brauchen, werde belehrt, dass ich mir vom Optiker die Zeit des Besuchs bescheinigen lassen muss. Ich ziehe meine Ausgangsuniform an, schnappe Brille, Überweisung und Ausgangsschein und begebe mich zum ersten Mal nach Brandenburg selbst.

Das Städtchen gefällt mir ganz gut. Der Optiker ist begeistert von der Brille und sagt, sie stamme aus den 20er Jahren, da hätte ich etwas ganz Besonderes, nur mit dem Schleifen dauere es etwas länger. Ich sage: „Ich habe Zeit, Sie müssen mir nur bescheinigen, wie lange ich da war.“ Er lacht und sagt: „Das geht nicht sofort. Wie lang soll er denn dauern, ihr Besuch hier?“ Ich sage, dass ich bis 13 Uhr in der Kaserne sein muss, er schreibt 9:45 bis 12:30 auf den Zettel und es ist 10.02. Übermorgen soll ich wiederkommen, das schreibt er mir auch noch auf.

Und jetzt habe ich zweieinhalb Stunden für mich. Ich schlendere durch die kleine Innenstadt, es ist kalt, aber mir geht es gut. Ich sehe verlockende Kneipen, in denen es Eisbein mit Brot gibt. doch heute will ich lieber noch ein Stückchen laufen, die Stadt erkunden. So wie es aussieht, komme ich ja noch öfter her.