1.-4. Februar 1985. Es schleppt sich.

An Arbeiten ist noch nicht zu denken. Alles ist gefroren. Dumm, dass wir trotzdem jeden Morgen durch die Eiseskälte rennen müssen, denn Frühsport muss sein. Kein Wunder, dass so viele erkältet sind. Wir halten das Tempo gering, damit das Atmen nicht schmerzt. Sobald wir dem Auge des „Spießes“ entronnen sind, werden die „Omas“ und Handschuhe angezogen.

Auf der Baustelle wird jede verfügbare Kleidung getragen. Diejenigen, die eine passende Arbeitsuniform zugeteilt bekommen hatten, sind jetzt im Nachteil.

Interessant, aus welchen Kirchen die Leute hier sind. Von vielen wusste ich gar nicht, dass es sie gibt und hätte sie bestimmt als Sekte bezeichnet. Wenn man sich aber mit einem Menschen unterhält, wird die Konfession zur Nebensache. Und am Sonntag kommen viele mit zur Andacht, ganz egal, welchen Gottesdienst sie besuchen, wenn sie nicht bei der Armee sind.

Einige von uns haben beim Kompaniechef beantragt, dass der Sonntagsausgang nicht erst um 10 Uhr beginnt, sondern schon um 9 Uhr, weil sie gern zum Gottesdienst gehen möchten. Wir werden zum Morgenappell belehrt: Ausgang am Sonntag ist immer ab 10 Uhr. Sie können in Ihrer Kirche beantragen, dass der Gottesdienst später anfängt. In der DDR sind Staat und Kirche getrennt.

Was der letzte Satz damit zu tun hat, erschloss sich keinem. Vermutlich handelt es sich um einen Reflex: Wann immer ein SED-Funktionäre, egal, ob hier in der NVA oder draußen, das Wort Kirche hört, muss er sagen: In der DDR sind Kirche und Staat getrennt.

Ausgang bekomme ich immer noch nicht.