21.-24. Februar 1985. Ich will hier raus.

Ich muss unbedingt mal aus der Kaserne raus. Es gelingt mir nicht. Ich schreibe mich Morgen für Morgen in die Ausgangsliste ein und nachmittags, wenn die Namen der Ausgänger verlesen werden, ist meiner nicht dabei. Ich weiß nicht warum. Es wird gesagt, jeder darf einmal pro Woche in den Ausgang. Tatsächlich gehen manche zweimal und haben dann am Wochenende noch Kurzurlaub. Andere gehen nie, und ich bin einer davon.

Ich will einfach mal frische Luft ohne den Mief der NVA atmen. Ich will etwas Anständiges essen und ein Bier dazu trinken. Ich will in eine Kirche gehen oder mich auf eine Bank im Park setzen oder noch besser im Wald und nur für mich sein. Die Brüder sind liebe Menschen, aber manchmal brauche ich einfach nur Ruhe. Die gibt es hier nirgends. Immer ist man in Gefahr, entweder vom Spieß oder einem Unteroffizier irgendwo erwischt und angeschnauzt zu werden oder in Gesellschaft eines Bausoldaten, der unbedingt mit einem reden muss.

Meine Schwester wird in diesem Jahr konfirmiert. Ich stelle einen Urlaubsantrag. Das jetzt schon zu machen, erscheint mir sicherer.