24. Dezember 1984. Heiligabend in der Kaserne.

Kein Frühsport. Kein Gebrüll, also fast keins. Am Vormittag kurzes „Stuben- und Revierreinigen“, dann frei. Nachmittags Kaffee und Kuchen in großer Runde, die Urlauber haben uns ihre Spindschlüssel dagelassen, wegen der Tauchsieder und des Kuchens, den wir nicht in unsere Schränke stopfen konnten. Postausgabe, lieber Brief von der Freundin, ebenso von der Mutter und Post von den Schleußiger Freunden, die sich eine Karte geteilt haben. Ein gutes Gefühl, dass sie draußen an uns denken.

Unsere Andacht war erhebend. Der Chor brachte eine kurze Kantate und war eine starke Stütze bei den gemeinsamen Liedern. Begleitet wurden wir von Gitarre und Blockflöten. Am schönsten war, dass wir geschafft haben, was in knapp zweitausend Jahren keiner geschafft hat: Katholiken, Lutheraner, Reformiert, Baptisten, Herrnhuter Brüder, Adventisten und noch ganz andere Freikirchler saßen zusammen, beteten und sangen und freuten sich der Geburt ihres gemeinsamen Herrn und Heiland.

Am Abend haben wir uns sogar noch den Wein geteilt, nicht als Abendmahl, aber weil wir so viele waren und es für jeden nur ein Schluck war, war es ein bisschen wie Abendmahl.

Auch der Hauptmann ließ sich nicht blicken.