Tag der NVA. Er beginnt, und das ist schon einmal gut, ohne Frühsport. Zum Frühstück gibt es Bohnenkaffee. Allerdings ist der so mies, dass man auch bei Malzkaffee hätte bleiben können. Schade um die Bohnen. Dann heißt es: „Kompanie, wegtreten. Um 8 Uhr 30 antreten zum Appell in Paradeuniform!“ Paradeuniform, das heißt: Ausgangsuniform und Stahlhelm. Mist.
Der Appell ist größer als sonst: Im großen Karree marschieren die Baupioniere und wir Bausoldaten im Paradeschritt ein. Der ganze Stab wartet schon, die Offiziere glänzend und mit Ehrendolch. Es gibt ein großes Brimborium mit Fahne und endlose Reden: Der Tagesbefehl des Verteidigungsministers wird verlesen, in dem er der DDR verspricht, dass wir immer treu für den Aufbau des Sozialismus und so weiter, dann das Grußwort Honeckers, der dankt, dass wir immer treu für den Aufbau des Sozialismus und so weiter, dann eine Ansprache des Bataillonskommandeurs, eines Generalleutnants, in der er sagt, dass wir treu und mit besten Arbeitslesitungen für den Aufbau des Sozialismus und so weiter. Der Stahlhelm drückt immer mehr. Dann gibt es Auszeichnungen und Beförderungen: Ein Leutnant wird Oberleutnant, ein Oberleutnant erhält eine Ehrennadel, ein Hauptmann eine Prämie. Einige Baupioniere werden Gefreite, andere erhalten Sonderurlaub für besondere Leistungen. Bausoldat werden nicht aufgerufen. Dann, endlich, Abmarsch. Umziehen in Innendienstuniform. Rauchen.
Zum Mittag gibt es Braten. Nachmittag ist frei. Die Unteroffiziere feiern laut und offenbar mit reichlich Alkohol. Unser Abendbrot ist ebenfalls reichlich.
Am Abend kommt der „UvD“ und holt mich zum außerplanmäßigen Küchendienst. Ich freue mich nicht, aber diesmal ist es wirklich außerordentlich: Im Speisesaal der Offiziere hat ein Gelage stattgefunden. Die Reste sind beeindruckend. Es sieht zwar alles aus wie im Stall, als ob sie nicht nur geschlemmt, sondern auch mit dem Essen geworfen hätten, dennoch bin ich begeistert. Ich sehe und esse zum ersten Mal in meinem Leben echten russischen Kaviar. Der wäre weggeworfen worden. Es gibt Fisch in vielen Sorten, kalten Braten, Wurst und Salate aller Art. Mir wird schlecht vom Kosten. Wenn ich gewusst hätte, was mich hier erwartet, hätte ich beim Abendbrot gepart. Leider stehen keine Getränke herum, die Neigen aus den Gläsern mag ich nicht trinken, die Flaschen von Weißwein und Krim-Sekt sind leer. Da waren die Küchenleute sicher schneller.
Ich würde meinen Leuten vom Zimmer etwas mitbringen, es gibt aber nichts zum Einpacken. Geschirr aus der Offizierskantine darf ich auch nicht mitnehmen. So gibt es nur für jeden ein Stück Kuchen, das ich in der Hand tragen kann.