9.-11. Februar 1985. Noch mehr Teuflischkeiten.

Ich lese mit Faszination Remarque und bin erschüttert. Krieg und Militär sind furchtbar und so furchtbar sinnlos. In abgemilderter Weise oder als Vorstufe erlebe ich die ganze Sinnlosigkeit jetzt auch. Hätte ich mich doch gegen den Wehrersatzdienst entschieden! Das Gefängnis als Alternative fürchte ich jedoch immer noch mehr, vor allem jetzt, wo ich nicht in ein normales Gefängnis käme, sondern direkt nach Schwedt. Ich bin in einem Dilemma zwischen Gewissen und Angst. Nicht gut.

Wir diskutieren weiter über den Teufel. Scheinbar alle um mich herum haben eine genaue Vorstellung von ihm und den ihm dienenden Kräften, Engeln und Mächten. Sie sind überall und immer präsent. Man muss sie fürchten und sich von ihnen fernhalte, damit Satan oder Beelzebub keinen Einfluss nehmen können. Des Teufels Willen sei, unsere Seelen zu gewinnen. Die Geschichte sei ein Wechselspiel zwischen Gott und dem Teufel. Ich fühle mich ein bisschen verloren und an die Zeit erinnert, als ich bei den Zeugen Jehovas in der Schulung war. Die wussten auch alles über den Teufel und konnten jedes Ereignis erklären.

Ein Satz wie: „Ich glaube an den Teufel.“ ist für mich absurd. Ich glaube an Gott und an Jesus Christus. Wozu sollte ich an den Teufel glauben? Und selbst wenn es einen Teufel gäbe, wäre ich doch am besten geschützt, indem ich nicht an seine Existenz glaube. Das habe ich auch gesagt und zur Antwort bekommen: Der erste Sieg Satans über einen Menschen ist, dass der Mensch nicht mehr an Satan glaubt. Ich habe geantwortet, dass mich dieses Argument an den berüchtigten „Hexenhammer“ erinnert, den „Malleus maleficorum“, der als Beweis für die Hexeneigenschaft einer Vernommenen nimmt, dass diese leugnet, eine Hexe zu sein. Und Hexen gibt es ja wohl bestimmt nicht.

Das hätte ich nicht sagen sollen. Immerhin waren nicht alle der Meinung, dass die verbrannten Hexen in jedem Fall auch Hexen waren. Die Mehrheit war jedoch der Meinung, dass es sehr wohl Hexen gebe. Und ich solle aufpassen, dass ich mich nicht zu viel mit Latein und mit Theologie beschäftige, denn auch da ist oft Satan am Werk und verwirrt und verleitet die Menschen. Wie soll ich diesen Rat beherzigen, wenn ich doch Pfarrer werden will? Ich sage resigniert: Vielleicht habt Ihr ja Recht.

Gott, noch über ein Jahr muss ich das aushalten!