Noch heute, über 25 Jahre nach meinem Wehrersatzdienst als Bausoldat der damaligen NVA, träume ich manchmal davon, dass ich durch ein Versehen noch einmal einberufen werde. Dieser Traum scheint tatsächlich 18 Monate zu dauern, die ich damit beschäftigt bin, den Vorgesetzten – denselben, mit denen ich während meiner tatsächlichen Dienstzeit zu tun hatte – klar zu machen, dass ich meine 18 Monate schon weg habe. Es gelingt nicht. Auch die Mitbausoldaten des Traums glauben mir nicht so richtig. Alle Eingaben nützen nichts, ich muss die ganzen 18 Monate abdienen. Nur von der Entlassung träume ich nie.
Durch Zufall erfuhr ich, dass ein Freund, der zufällig zwei Jahre nach mir in derselben Baueinheit war, einen ähnlichen wiederkehrenden Traum hat. Wenigstens bin ich nicht der einzige, dem die Sache anhängt. Vielleicht gelingt es mir, mit diesem über 25 Jahre später geschriebenen Tagebuch mich nicht nur dem tatsächlich Erlebten anzunähern, sondern auch endlich diesen unangenehmen Traum loszuwerden.
Was war das – Wehrdienst oder Wehrersatzdienst in einer Baueinheit der NVA? Dieses verspätete Tagebuch wird keine objektive Antwort darauf geben können, sondern enthält nur Erinnerungen, gestützt durch einen großen Stapel Briefe, die ich meiner damaligen Freundin schrieb. Ich werde mich bemühen, die persönlichen Dinge so kurz zu fassen, wie es für das Verständnis nötig ist und mich an die Fakten zu halten, schon, um die Geduld des Lesers zu schonen. Manche meiner damaligen Ansichten und Überzeugungen erscheinen mir heute lächerlich. Ich will versuchen, auch da nichts zu beschönigen und die eigene Jugend nicht zu verklären, sondern als Entschuldigung für manchen Irrtum zu betrachten.
Unsicher bin ich mir noch, ob die Form dieser Veröffentlichung als Weblog eine gute Idee ist. Die chronologische Ordnung ist die einfachste. Der Wehrdienst selbst war aber eine fürchterliche Zeitverschwendung und in großen Teilen von Langeweile bestimmt – Dinge, die einer Geschichte abträglich sind, soll sie gelesen werden. Mal sehen, ob es mir gelingt, in den nächsten 18 Monaten das loszuwerden, was ich für berichtenswert halte, ohne sentimental oder weitschweifig zu werden. Ich betrachte es als einen Versuch.
Noch eine Anmerkung: Die in diesem Weblog auftretenden Personen gibt es wirklich, und die allermeisten werden noch am Leben sein. Was ich über sie schreibe, ist meine Wahrheit, das, was ich erlebt habe. Wer etwas anzumerken oder aus seiner Sicht richtigzustellen hat, kann dies in den Kommentaren tun.
Noch eine zweite Anmerkung, nach vielen Monaten geschrieben, in denen diese Webseite eine Baustelle ist: Der gewünschte Effekt ist eingetreten: Ich träume nicht mehr von meiner Bausoldatenzeit. Der unangenehme Nebeneffekt: Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis dieses verspätete Tagebuch fertig wird. Sehen Sie es mir nach, bitte, und schauen Sie immer mal wieder vorbei!